31.01.2019
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Januar war kalt in den Bergen, mild im Süden


Eiskalt war der Januar. Foto: A. J. Minor

Der Januar 2019 war in Berglagen der Alpennordseite der kälteste seit mehr als 30 Jahren. Die Alpensüdseite registrierte hingegen regional einen der mildesten Januarmonate seit Messbeginn. Viel Neuschnee gegen Monatsmitte führte in den Alpen zu grosser Lawinengefahr. In Berglagen der Alpennordseite über 1000 m lag das regionale Mittel der Januartemperatur mit -8.2 Grad deutlich unter der Norm 1981‒2010. Letztmals kälter war hier der Januar 1985 mit -10.6 Grad. Und dann muss man bis in den Seegfrörni-Winter 1962/63 zurückblättern, um erneut auf einen Januar mit deutlich tieferer Temperatur zu treffen. Damals zeigten die Berglagen der Alpennordseite über 1000 m ein regionales Mittel von -10.9 Grad.

Mild im Süden
Sehr mild war der Januar 2019 hingegen in den Tieflagen der Alpensüdseite. Lugano registrierte mit 5.0 Grad den sechst-mildesten Januarmonat seit Messbeginn 1864. In Locarno-Monti belegt der Januar mit 4.9 Grad Rang zehn seit Messbeginn 1883. In den Tieflagen nördlich der Alpen bewegte sich der Januar 2019 zwischen 0 Grad und 1.5 Grad, was etwa der Norm 1981‒2010 entspricht.

Die erste Januarhälfte war fest im Griff von Nordströmungen, welche kalte und oft auch feuchte Luft zur Schweiz führten. Die Ursache war eine anhaltend ähnliche Wetterlage mit einem kräftigen Atlantikhoch und einem Tief über Nord- oder Nordosteuropa. Dazwischen floss Polarluft zur Alpennordseite, in der Höhe oft begleitet von stürmischen Winden. Diese klassische Winterwetterlage brachte vor allem am Alpennordhang häufig Schneefall. Auch das Flachland der Alpennordseite überzog sich hin und wieder mit einer Neuschneeschicht.
Die über die Alpen hinwegfliessende Kaltluft fegte auf der Alpensüdseite als stürmischer, milder Nordföhn durch die Täler. In den Niederungen der Alpensüdseite erreichten die Tageshöchstwerte oft 10 Grad oder mehr. An mehreren Tage stiegen die Werte auf 14 bis 15 Grad, am 5. Januar registrierte Biasca gar 16.4 Grad. Dazu war es meist sonnig.

Massiver Neuschneefall
Vom 12. bis am 14. Januar löste eine starke Nordwestströmung vor allem in den östlichen Alpen massive Neuschneefälle aus. In Nord- und Mittelbünden und im Unterengadin fielen in Berglagen innerhalb von drei Tagen 90 bis 140 cm. Im Gotthardgebiet und im Obergoms waren es 80 bis 105 cm Neuschnee. Im Berner Oberland und im Unterwallis gab es 40 bis 90 cm. Die erheblichen Neuschneemengen führten zu einer grossen Lawinengefahr. Die Zugänge zu einzelnen Alpentälern waren vorübergehend unterbrochen.
In den Messreihen Mittelbündens zeigen die höchsten Neuschneesummen über drei Tage Werte zwischen 180 und 230 cm. Sie stammen von den ausserordentlichen Lawinenmonaten Januar 1951 und Februar 1999. Im Gotthardgebiet erreichten die höchsten gemessenen Dreitageswerte um 200 cm. Sie fielen im Lawinenapril 1975.
Das kräftige Niederschlagsereignis vom 12. bis am 14. Januar erfasste vor allem die zentralen und östlichen Alpen der Schweiz. Deutlich geringere Mengen fielen in den südlichen Walliser Alpen und in den Bergen der Alpensüdseite.

Sonniger Bergwinter
Vom 15. bis am 22. Januar verlief das Wetter vorwiegend hochdruckbestimmt. In den Bergen war es meist recht sonnig, auf der Alpensüdseite erneut sehr sonnig. Nur am 17. brachte eine aus Westen durchziehende Kaltfront mit einer Schneefallgrenze um 1000 m überall trübe Verhältnisse. Ab dem 19. Januar lag auf der Alpennordseite der klassische winterliche Hochnebel.

Schnee, Regen, Schnee
Kühle Luftmassen aus nördlichen Richtungen sorgten vom 23. bis am 26. Januar auch in den Niederungen der Alpennordseite hin und wieder für etwas Schneefall. Die Alpen zeigten nachts oft eine weniger dichte Bewölkung, so dass die Temperatur in einzelnen Alpentälern auf unter -20 Grad sank. Andermatt registrierte unter -25 Grad, Samedan unter -26 Grad.  Während des kurzen Hochdruckeinflusses am 25. Januar verzeichnete Samedan gar unter -27 Grad.
Mit der Strömungsumstellung auf Südwest floss am 27. Januar mildere Luft zur Schweiz. In den tiefen Lagen beidseits der Alpen fiel Regen. Die Tageshöchstwerte stiegen im Norden auf 8 bis 10 Grad, im Süden blieben sie zwischen 2 und 4 Grad. Bereits am Tag darauf übernahm wieder feuchte Polarluft aus Nordwesten das Wetterregime in der Schweiz. Im Mittelland gab es bis 6 cm, am Alpennordhang bis 25 und im Unterwallis bis 50 cm  Neuschnee. Im Süden brachte der Nordwind sonnige Verhältnisse und Tageshöchstwerte bis 11 Grad.

Extreme Niederschlagsunterschiede
Auf der Alpensüdseite brachte der Januar 2019 mit häufigem Nordföhn und Schönwetter ein massives Niederschlagsdefizit. Regional erreichten die Niederschlagsmengen nur 10 bis 15 Prozent der Norm 1981‒2010. Im Wallis und in der Westschweiz fielen 60 bis 70 Prozent der Norm.
Niederschlagsreich war der Januar hingegen entlang des zentralen östlichen Alpennordhangs als Folge der häufigen Nordströmungen. Die Niederschlagsmengen stiegen auf 160 bis 230 Prozent der Norm 1981‒2010. St. Gallen registrierte einen der zehn niederschlagsreichsten Januarmonate seit Messbeginn 1864. (pd.)



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