02.10.2018
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Japans berühmter Tiger ist in Zürich


Der Tiger von Nagasawa Rosetsu (1754–1799). Entstanden ist die Tuschemalerei 1786. Bild: Museum Rietberg

Der Muryoji-Tempel ist auf Stippvisite in der Enge: Das Museum Rietberg zeigt «Rosetsu – Fantastische Bilderwelten aus Japan». Mit dabei ist der Tiger des japanischen Malers Rosetsu.

Der japanische Künstler Rosetsu, präziser Nagasawa Rosetsu (1754– 1799), wurde durch seine bizarren Figurenbilder, die meisterhaften Pinselführung und die kräftigen Farben bekannt. Sohn eines niederen Samurai, beginnt er mit etwa 25 Jahren seine Ausbildung bei Maruyama Okyo (1733–1795), dem führenden realistischen Maler seiner Epoche.

Besonders die Darstellungen von Tieren aller Gattungen haben Rosetsu den Ruf eines exzentrischen, fantasievollen und populären Künstlers eingebracht. Seine Spezialität ist die Stellschirm- und Schiebetür-Malerei, mit der er mit mutigen Kompositionen und vollendetem Pinselstrich einen wichtigen Beitrag zur japanischen Malerei entwickelt.

Tempel nachgebaut

Mittelpunkt der Ausstellung «Rosetsu – Fantastische Bilderwelten aus Japan» im Museum Rietberg ist der originalgetreu nachgebaute Zen-Tempel Muryoji in Kushimoto. Im begehbaren zentralen Raum des Tempels steht ein riesengrosser, über sechs Schiebetüren gemalter Tiger einem ebenso grossen Drachenbild gegenüber. Drache und Tiger symbolisieren in der japanischen Mythologie die Urkräfte des menschlichen Daseins und der Natur. Das grossartige Werk soll der 33-jährige Rosetsu 1786 in einer Nacht auf die Türpaneele gemalt haben. Von der Darstellung geht eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus.

Um den Tempel herum sind weitere Bilder und goldumrandete Bildgeschichten des Meisters ausgestellt. Die Schau ist in Dramaturgie und Raumgefühl virtuos durchkomponiert und zeigt die ganze Bandbereite eines genialen Künstlers: bunte Blumen-und-Vogel-Bilder, panoramaartige Malereien auf Paneelen, Faltbildern und Stellschirmen. Liebliche Landschaften, schrullige Wesen, allerliebste Kinder und Tiere auf Hänge- und Querrollen, Alben und Fächern – nicht zu vergessen die 500 Jünger des Buddha Shakyamuni, die Rosetsu, vermutlich mithilfe einer Lupe, auf ein Stück Papier mit 3,03 mal 3,03 Zentimetern dargestellt hat. Das

Betrachten mit blossem Auge ist schier unmöglich. Rosetsus Bilder sind anmutige Kompositionen, voller Dynamik und Humor, mal naturgetreu, mal nahezu abstrakt gemalt, mal mit leichten Strichen, mal mit den Fingern oder struppigem Pinsel.

Ausstellung bis 4. November

Die Ausstellung umfasst rund 60 auf Japanpapier und Seide gemalte Exponate. Sie stammen aus zahlreichen Tempeln und renommierten Museen in Japan, Deutschland und den USA. Die kostbaren Kunstwerke vereinigen sich bei den Besucherinnen und Besuchern zu einem fantastischen Bilderbogen. Aufgrund konservatorischer Bestimmungen kehren die Gemälde nach acht Wochen wieder zurück in ihre Tempel und Museen. Sie gelten weltweit als «wichtige Kulturgüter» oder «wichtige Kunstwerke».

Die Reise durch Rosetsus kurze Schaffensperiode wird mit erklärenden Wandtexten ergänzt. Khanh Trinh, Kuratorin für japanische Kunst im Museum Rietberg, und Matthew McKelway, Atsumi Professor of Japanese Art an der Columbia University in New York, ist eine Schau gelungen, die in diesem Stil noch nie gezeigt wurde und vermutlich auch nie wieder gezeigt werden wird. (Elke Baumann / Bild: Museum Rietberg)

 

Dauer der Ausstellung bis 4. November. Weitere Informationen: www.rietberg.ch



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