07.12.2017
Stadtanzeiger, News, Züriberg

Ihr Traumberuf ist Rennfahrerin

Am Formel-4-Renntag an der Adria hats geregnet, gefahren ist Karin Seba trotzdem. Foto: www.motorsportaktiv.atKarin Seba im Formel-4-Boliden; er ist nicht rosa, weil von einer Frau gelenkt, sondern wegen des Sponsors.  Foto: www.motorsportaktiv.atAuch in den schnellen Kart-Rennen in Bratislava behauptete Karin Seba sich und ihren Platz.  Foto: Ernst PerchtoldKarn Seba, Nachwuchs-Rennfahrerin aus Opfikon.  Foto: rs.

Millionen schauen jeweils zu, wenn Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Valtteri Bottas ihre Runden drehen. Karin Seba will aber mehr als zuschauen: Sie will selber Rennfahrerin werden. Schon als kleines Kind schaute sie mit ihrem Vater Autorennen und fuhr auf einem Spielteppich mit Strassen nach. Später ergriff sie wie er – der vor einigen Jahren verstorben ist – einen technischen Beruf und wurde Maschinenbau-Ingenieurin. Nächsten Sommer schliesst sie die ZHAW in Winterthur ab. «Es ist sicher von Vorteil, wenn man weiss, wie ein Motor funktioniert», sagt sie zur Wahl ihres Studienfachs.

Doch ihren Traum vom Autorennsport hat sie nie aufgegeben: Monza gehört zu den regelmässigen Reisezielen, seit ihrem 18. Geburtstag fährt sie Auto, seit 2010 hobbymässig Gokart-Rennen. «Zu teuer und zu gefährlich», hätten ihre Eltern anfangs gesagt. Doch nun, da das Ende des Studiums absehbar wird, setzt sich die 23-jährige für ihren Traum ein: Ende September nahm sie an einem Formel-Renault-Casting teil. Dort wurde der Formel-1-Club Austria auf sie aufmerksam. Bei diesem nahm sie ebenfalls an einem Tourenwagenprogramm teil und reiste im November nach Bratislava, um ein Team-Kartrennen zu bestreiten. Im Viererteam absolvierte sie ein 8-Stunden-Rennen, wobei sie zwei Stunden ununterbrochen am Steuer sass – was bei den vielen engen Kurven und ohne Servolenkung äusserst anstrengend ist. «Das ist definitiv Leistungssport», sagt sie, die sich mit Basketball – als Spielerin und Trainerin bei Opfikon Basket – fit hält. Davor spielte sie auch Fussball beim FCZ, machte Geräteturnen und sprang Trampolin. Auf eine Sparte festlegen will sie sich auch im Rennsport noch nicht: «Jede hat ihre Zeit», so Seba. Kartsport sei gut zum Einsteigen, Tourenwagen für Ältere, denn dort brauche es viel Erfahrung, um das Auto heil über die Runden zu bringen; Formel-Sport würden Jüngere betreiben.

Kontakte knüpfen

Neben der Rennerfahrung profitiert Seba als Nachwuchsfahrerin bei den verschiedenen Anlässen auch von weiteren Kontakten im Rennzirkus: Für den Rennstall Mücke Motorsport, bei dem auch Sebastian Vettel, Pascal Wehrlein und Sébastian Buemi angefangen haben, fuhr sie Anfang November auf dem Adria Raceway in Italien Testfahrten in einem Formel-4-Wagen. Dabei macht das eigentliche Fahren nur den kleineren Teil der Trainings aus: «Es wird jede Runde genau analysiert und es werden unglaublich viele Daten gesammelt», erzählt Seba. Noch im Wagen werden die Zeiten und Linien, die Beschleunigungsmanöver und die (Ver-) Bremser besprochen. «Es braucht sowohl Mut als auch Respekt», findet Seba. «Aber Angst sollte man keine haben.» Natürlich könne man auch in ungefährlichen Simulatoren üben, die dank allerlei Rütteltechnik inzwischen auch ein gutes Gefühl fürs Auto vermittelten. Doch es geht nichts über das echte Auto, welches man im engen Cockpit überall spürt. Weil die Sponsoren beim Nachwuchs aber nicht gerade Schlange stehen, finanzieren die Jungtalente ihre persönliche Ausrüstung – vor allem Helm und Overall – sowie die Trainings oft selber. Auch Seba investiert rund 10 000 Franken in ihre Karriere. Damit weitere Trainings folgen können, sammelt sie auf einer Crowdfunding-Seite Geld für die nächsten Trainings. Im Februar 2018 möchte sie mit dem Rennstall Mücke in Dubai weitere Testtage absolvieren.

Ihre Freunde finden es mutig und cool, und auch ihre Mutter hilft ihr nun bei der Verwirklichung ihres Traums. Und dank der Unterstützung durch ihre Professoren konnte sie bislang Studium und Trainings einigermassen vereinen – obwohl Seba hofft, dass das eines Tages nicht mehr nötig sein wird. Bis dahin steht auf ihrer Visitenkarte: «Karin Seba, Maschinenbaustudentin & Nachwuchsrennfahrerin».



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